Dunkermotoren GmbH

Posted By sw_admin / 20. August 2014 / / 0 Comments

Bonndorf
Kategorie: Mittlere Unternehmen – 3. Platz

Zwei vernetzte Firmen, ein Ausbildungskonzept und hunderte von Schülerbewerbungen: Dunkermotoren gewährt Einblick in den betrieblichen Alltag.

Die Ausbildungskooperation HeDu (benannt nach den Firmen Hectronic und Dunkermotoren) vermittelt Teilnehmenden umfassendes betriebliches Know-how. Die Einheiten sind aufeinander abgestimmt und verzahnen die Kernkompetenz beider Unternehmen nach dem Motto „Mechanik trifft Elektronik“.
In den HeDu-Ausbildungstagen erfahren Schülerinnen und Schüler, welcher der 23 vorgestellten Berufe am besten zu ihnen passt. Die Projekte „Technolino“ und „Tec-Box“ laden den Nachwuchs in Kindertagesstätten und Grundschulen zum Forschen ein.

Wir sprachen mit dem Unternehmen im Interview über das umfangreiche Engagement:

  1. Was motiviert Sie, sich in der Zusammenarbeit mit Schulen zu engagieren?

Die Kinder sollen bereits im Kleinkindalter von der Technik begeistert werden. Ziel ist es, den Forschergeist und das Experimentieren in Kindergärten, Grundschulen und den weiterführenden Schulen zu wecken und von klein auf von der Technik zu begeistern, sodass sie sich bestenfalls bei der späteren Berufswahl positiv an Technik und das Unternehmen erinnern können.

Bei der Durchführung der Projekte erfahren nicht nur die Kinder Erfolgserlebnisse. Eine besonders große Rolle spielen dabei auch unsere Auszubildenden, die diese Projekte vor Ort betreuen dürfen. Dabei werden ihre sozialen Kompetenzen enorm gefördert. Ebenso kann durch den Kontakt zwischen Auszubildenden, Ausbilder und Schüler ein ständiger Erfahrungsaustausch stattfinden. Das schafft Vertrauen und Nähe zu Unternehmen und Mitarbeiter noch vor einer möglichen Einstellung.

Durch den Austausch kann zudem die Ausbildung im Unternehmen an die schulische Voraussetzung angepasst werden: Was lernen die Schüler im Unterricht? Welche Fertigkeiten bringen die Schüler in die Ausbildung mit? Wo muss in der Ausbildung mit dem Vermitteln theoretischer und praktischer Fertigkeiten angesetzt werden? Außerdem können die angehenden Industriemechaniker und Elektroniker in die Rolle eines Ausbilders schlüpfen, was wiederum ihre Hemmschwelle überwindet, Verantwortungsbewusstsein und Persönlichkeit stärkt.

  1. Mit was für Projekten engagieren Sie sich in den Schulen?
  • Technolino und Techbox (Projekte, die von der Südwestmetall ins Leben gerufen wurde)
  • Bildungspatenschaften mit Schulen aus der Region: Beispielsweise sind Ausbildungsleiter in der Schule im Technikunterricht und gestalten diesen mit konkreten Projekten mit. Die Schüler können ein Werkstück mit nach Hause nehmen. Auch arbeiten Schüler bereits in ihrer Schule in der Ausbildungswerkstatt mit. Für höhere Schulen bieten wir einen Support an, bei dem sich Projektgruppen an unsere Ingenieure wenden können und auch hochtechnische Produkte unseres Unternehmens in Ihre Erfindungen einbringen können. Damit hatten die Schüler bereits schöne Erfolge bei Jugend Forscht.
  • HeDu-Ausbildunskooperation inkl. HeDu-Ausbildungtage
  • Teilnahme an Ausbildungsmessen an verschiedenen regionalen Schulen
  1. Auf welche Aktivtäten sind Sie besonders stolz?

HeDu-Kooperation inkl. HeDu-Ausbildungstage: Wir bieten ein Ausbildungs-Alleinstellungsmerkmal: HeDu ist eine Ausbildungskooperation die in unserem Hause initiiert wurde. HeDu steht für die Firmen Hectronic und Dunkermotoren, benachbart in der Bonndorfer Allmendstraße. Die Auszubildenden beider Firmen profitieren vom Knowhow des Nachbarbetriebes, indem Ausbildungsinhalte als auch gegenseitige Ausbildungseinheiten jeweils über mehrere Wochen im Nachbarbetrieb inkludiert werden. Auf diese Weise sind die Ausbildungen in beiden Betrieben wertiger, als die übliche Ausbildung. Denn sie wird bereichert durch die Kernkompetenz beider Unternehmen: Mechanik trifft Elektronik.

Im Zuge der HeDu-Ausbildungskooperation haben wir die HeDu-Ausbildungstage entwickelt. Sie finden seit 2009 jährlich statt. Für die ersten HeDu-Ausbildungstage mussten wir als Unternehmen noch viele „Klinken putzen“, um vor allem Schulen von der Bedeutung der Ausbildungstage vor Ort zu überzeugen und von der Einzigartigkeit der Ausbildungen in unseren Betrieben. Inzwischen bekommen wir lange vor Start der HeDu-Tage Anfragen aus den Schulen, weil diese ihren Zeitplan auf unsere HeDu-Tage abstimmen.

Auch die Form der Ausbildungstage sollte entsprechend anschaulich sein. Deshalb konnten die Schüler von Anfang an in den Betrieben mit den Auszubildenden hautnah erfahren, welche Berufe wie zu ihnen passen können. Auszubildende, noch nah an der eigenen Berufswahl, können aus dem direkten erleben auf Augenhöhe mit den Schülern umgehen. Für diese ist die Hemmschwelle somit minimiert. Inzwischen hat sich der hohe Informationsgehalt der Veranstaltung herumgesprochen, sodass wir in diesem Jahr über 700 Schüler aus den umliegenden Schulen willkommen heißen durften.

Die Jugendlichen erfahren bei den Ausbildungstagen, welche vielseitigen Berufsmöglichkeiten in der Industrie sich ihnen unmittelbar vor der Haustür anbieten. Die Ausbildungstage haben sich in den letzten Jahren sogar so weit entwickelt, dass sich seit dem Jahr 2016 nicht nur die Gründer der HeDu-Ausbildungstage (Dunkermotoren & Hectronic) präsentieren konnten, sondern sogar sämtliche Betriebe der Stadt eingeladen waren, sich und ihre Berufsbilder bei dieser Veranstaltung zu präsentieren. Auch in diese Betriebe sind Exkursionen angeboten worden, sodass praktisch alle möglichen Berufsfelder nicht nur am Messestand, sondern direkt in den Betrieben sicht- und begreifbar gemacht wurden.

  1. Wie haben Sie dieses Projekt entwickelt, d.h. wie sind Sie innerhalb des Unternehmens grob vorgegangen und wen haben sie dabei einbezogen (Kollegen, Lehrer, Schüler usw.)?

Die heute bestehende Ausbildungskooperation wurde von unserer Personalleiterin und der Geschäftsleitung von Dunkermotoren ins Leben gerufen. Sinn und Zweck der Ausbildungskooperation ist es, die jungen Menschen durch das Ausbildungs-Alleinstellungsmerkmal von unseren Unternehmen, trotz der sehr ländlichen Gegend und der ungenügenden Infrastruktur, zu überzeugen.

  1. Welche Hürden gab es während des Prozesses?

Die größte Hürde bei dem Prozess war es, die Schulen und Lehrer von dem Konzept und der Besonderheit des HeDu-Ausbildungstages zu überzeugen. Denn bei dem Ausbildungstag werden nicht wie üblich die Unternehmen vorgestellt, sondern es stehen die unterschiedlichen Berufsbilder im Vordergrund. Sie finden zu dem nicht in der arbeitsfernen Schul- oder Aula-Umgebung statt, sondern genau da, wo später der Beruf ausgeübt werden könnte, nämlich in den Betrieben. Gerade gegen Industriebetriebe hatten Lehrer, meist aus Unkenntnis, Ressentiments.  Das hat sich grundlegend geändert. Mit der Nähe zum Betrieb bei Ausbildungstagen haben Lehrer auch eine andere, objektivere Sicht auf die tatsächliche Arbeitswelt. Das ist besonders bedeutsam, denn die Berufswahl findet vor allem am Küchentisch und im Klassenzimmer statt.

  1. Wie stellen Sie eine langfristige und nachhaltige Zusammenarbeit mit der Schule bzw. den Schulen sicher?

Durch die bestehenden Bildungspatenschaften arbeiten wir regelmäßig mit den Schulen zusammen. Somit bleiben wir zum einen bei den Schulen und den Schülern im Gespräch und zum anderen bleiben wir auf dem aktuellen Stand was den Unterrichtsstoff, insbesondere im Technikunterricht, angeht. Damit die jährlichen Projekte im Zuge der Bildungspatenschaft ordnungs-/ und sicherheitsgemäß durchgeführt werden können, hat Dunkermotoren die Neuausstattung des Technikraums des Bildungszentrums in Bonndorf mit 35.000 € bezuschusst.

Mit vielen Gymnasien und auch Hochschulen stehen wir zudem in ständigem Kontakt. Für Projekte und deren Fachunterrichtseinheiten unterstützen nicht nur unsere Ingenieure mit guten Ratschlägen. Oft stellen wir auch speziell für deren Zwecke modifizierte Motoren und Antriebseinheiten zur Verfügung. Aus solchen Kooperationen sind schon mehrere Preise im Rahmen von Jugend Forscht hervorgegangen. Jüngstes Produkt ist ein automatischer Flaschenöffner, der Menschen mit Handicap behilflich ist. Neben vielen weiteren Ergebnissen ist ein anderes nettes Produkt ein Weizenbier-Einschenkautomat, der Überschäumen verhindert.

  1. Welche Tipps würden Sie anderen Unternehmen geben, die ähnliche Projekte planen?

In den letzten Jahren haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Zusammenarbeit mit Jugendlichen/ Schülern nicht nur positiv für die Schulen selbst ist, sondern auch wir als Ausbildungsbetrieb sehr viele Rückschlüsse für die betriebliche Ausbildung ziehen können. Man sollte nicht warten, bis die jungen Leute auf das Unternehmen zukommen, um ihre Bewerbung abzugeben, sondern man sollte die Jugendlichen so früh wie möglich abholen. Die Schüler sollen schon vor Beginn einer Ausbildung die Chance bekommen, Kontakt mit dem Ausbilder und den Auszubildenden zu knüpfen, sodass bereits im Vorfeld eine Beziehung aufgebaut werden kann. Falls es dann tatsächlich zu einem Ausbildungsverhältnis kommt, erleichtert dies den Start für alle Beteiligten. Besonders heutzutage, wenn nicht mehr die Bewerber um einen Ausbildungsplatz kämpfen müssen, sondern die Ausbildungsbetriebe um den guten Auszubildenden, sollte man nicht zögern und diese Initiative ergreifen.

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